Ein Gemälde eines Parks mit Skulpturen, einem Weg, Bäumen und einem Teich. Im Hintergrund sind Gebäude und ein Kirchturm unter einem bewölkten Himmel zu sehen. Eine Person steht auf dem Weg.
Geschichte

Landschaftsmalerin Tina Blau

Österreichische Impressionistin des 19. Jahrhunderts

Wer war Tina Blau und was war der Stimmungsimpressionismus?

von
Dominik Nostitz (Kulturpool / uma information technology)

Tina Blau - geboren am 15. November 1845 in Wien - war eine der bedeutendsten Landschaftsmalerinnen Österreichs. Sie gehört der österreichischen Kunstrichtung des Stimmungsimpressionismus an, was sich in der Konzentration ihrer künstlerischen Motive auf Landschaften und Stillleben ausdrückt.

Sie interessierte sich schon sehr früh für die Malerei und ließ sich zeitlebens von den Landschaften rund um Wien, insbesondere dem Wiener Prater und seiner Umgebung, inspirieren.

Gemälde einer Rotunde in einem Park mit vielen Bäumen.

Tina Blau's frühes Leben

Tina Blau wurde in einer Zeit des Umbruchs geboren. Die Aufstände des Revolutionsjahres 1848, die Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit forderten, folgten drei Jahre nach ihrer Geburt. Die Revolution wurde blutig niedergeschlagen, aber einige Forderungen wurden dennoch umgesetzt und brachten Veränderungen mit sich - nicht sofort, aber im Laufe der Zeit.

Diese Veränderungen und Anpassungen an die Forderungen der Revolutionäre betrafen vor allem die Lebenswirklichkeit der Männer.

An die Rechte der Frauen wurde in dieser Zeit allenfalls am Rande gedacht, so dass die Herausforderungen im Leben von Tina Blau wie ein Zeichen jener Zeit zu lesen sind.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren Frauen vom unabhängigen öffentlichen Leben ausgeschlossen. Frauen konnten kein Studium wählen, kein Atelier mieten, nicht konfessionsverschieden heiraten, keine wirtschaftlichen Entscheidungen treffen und sich nicht politisch engagieren oder Mitglied in politischen Vereinen sein.

Tina Blau war in vielen Bereichen der bildenden Kunst für Frauen in Österreich eine Pionierin.

Ihr Vater Simon Blau war ein Militärarzt aus Prag, der in der Heumarktkaserne im dritten Wiener Gemeindebezirk lebte und arbeitete. Er hatte einst selbst mit einem künstlerischen Beruf geliebäugelt und erkannte früh das Talent seiner Tochter und förderte sie intensiv über Jahre hinweg.

Da Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts noch kein Kunststudium an einer Akademie in Erwägung ziehen durften, wurde sie im Alter von 15 Jahren von ihrem Vater durch Privatunterricht bei dem Landschaftsmaler August Schäffer und später bei dem Porträtisten Josef Aigner gefördert. Ihren ersten Unterricht erhielt sie von dem Waldmüller-Schüler Antal Hanély, bei dem sie auch ihre ersten Stillleben malte.

Als ihr Vater sie auf eine Reise nördlich von Prag nach Brandeis an der Elbe mitnahm, schuf sie ihre ersten Landschaftsbilder - in freier Natur und frischer Luft stehend, das Motiv direkt vor Augen. Dies beeinflusste ihre Herangehensweise an die Malerei und an die Natur, ihr bevorzugter Ort zum Malen.

Ein Landschaftsgemälde, das einen sonnenbeschienenen Wald mit hohen Bäumen und einer grasbewachsenen Lichtung zeigt, wobei das Licht durch die Blätter fällt.

Tina Blaus Kunstschaffen

Dank der Initiative ihres Lehrers Josef Aigner nahm sie 1867 erstmals an einer Ausstellung teil. Er drängte sie dazu, ein Gemälde im Wiener Kunstverein auszustellen, was ihr erste positive Kritiken einbrachte.

1869, im Alter von 24 Jahren, zog sie nach München, um an der Kunstschule für Frauen eine vertiefte Ausbildung zu absolvieren. Sie nahm Privatunterricht bei Professor Wilhelm Lindenschmit d. J. Infolgedessen schuf sie mehrere Werke und erzielte erste Verkäufe, darunter das Gemälde Jakobsee bei Polling.

Der Verkauf ihrer Bilder ermöglichte es ihr, Reisen zu finanzieren. Manchmal konnte sie während ihrer Reisen ein weiteres Bild verkaufen und so ihren Aufenthalt verlängern.

Ein Landschaftsgemälde ländlicher Umgebung zeigt einen von Bäumen gesäumten Weg, der zu Häusern vor einer Kulisse von Hügeln unter einem bewölkten Himmel führt.

Während dieser Zeit lernte sie auch den Maler Emil Jakob Schindler kennen. Sie freundeten sich an und besuchten gemeinsam Ungarn und andere Länder.

Nach ihren Reisen gründeten sie ihre Ateliergemeinschaft in Wien. Da Tina selbst kein Mietverhältnis eingehen konnte, wurde die Ateliergemeinschaft nach außen hin als Lehrer-Schüler-Verhältnis „verkauft“. Sie wehrte sich aber dagegen, dass man sie als Schülerin Schindlers bezeichnete, was auch heute noch manchmal behauptet wird.

1874 bezog Tina Blau ihr eigenes Atelier im Wiener Prater, in einer der Rotunden, die von der Weltausstellung 1873 übrig geblieben waren.

Aus dem Gestell eines Kinderwagens und einem größeren Weidenkorb formte sie ihr „Malwagerl“, ein mobiles Malset mit einer Staffelei als Ablage für Pinsel, Farben, ganze Paletten und andere Utensilien. Damit ging sie hinaus in die umgebende Natur des Wiener Praters, um zu malen.

Plakat mit einer Fotografie von Tina Blau mit einem wagenähnlichen Gefährt, das ein Gemälde enthält.

Der Stimmungsimpressionismus zeichnet sich durch Freiluftmalerei aus. Mit deutlich größeren Formaten als üblich schuf sie Werke wie Prater im Frühling, ein Öl auf Leinwand mit einer Größe von 2x3 Metern.

Ein heiteres Landschaftsgemälde, das Menschen zeigt, die einen gemütlichen Tag an einem Teich verbringen, mit großen Bäumen und einem wolkenverhangenen blauen Himmel über sich.

Das Bild wurde von der Jury des Künstlerhauses zunächst als „nicht ausstellbar“ eingestuft, mit der Bemerkung, dass es „ein Loch in die Ausstellungswand reißen" würde. Die zuständige Kommission reagierte damit auf die untypische Helligkeit ihres Bildes und lehnte es zunächst ab. Dank der Intervention von Hans Makart wurde das Bild dann aber doch zugelassen.

In Österreich gab es eine Reihe von Sonderausstellungen und Bewegungen zur Förderung der Wiener und österreichischen Künstler, zu einer Zeit, als Frankreich und Deutschland in der bildenden Kunst den Ton angaben. Die Erste Internationale Kunstausstellung in Wien 1882 wurde von fast 250.000 Menschen besucht.

Antonin Proust, Frankreichs Minister für die „Beaux-Arts“ (dieser Titel entspricht der heutigen Bezeichnung für Kulturminister), lud Tina Blau mit Frühling im Prater zum Pariser Salon ein, wo sie mit einem Prix Honorable ausgezeichnet wurde. Dieses Ereignis bedeutete auch ihren internationalen Durchbruch.

Während ihres Aufenthalts in Paris schuf sie mehrere Gemälde der Tuileries-Gärten.

Farbgemälde von Bäumen und Statuen in den Tuileries-Gärten.
Farbgemälde der Tuileries-Gärten an einem sonnigen Tag.

Tina Blau in München

1883, noch keine 40 Jahre alt, aber für die damalige Zeit ungewöhnlich spät, verlobte sie sich mit Heinrich Lang - einem Schlachten- und Pferdemaler - und zog mit ihm nach München, wo sie Ende Dezember 1883 heirateten. Tina Blau war Jüdin, Heinrich Lang war Protestant. Da damals ein Verbot von „Mischehen“ galt, beschloss sie, zum Protestantismus zu konvertieren.

Das Gemälde zeigt eine Frau, die im Freien steht und ihre Hand auf ein kleines Kind stützt, beide in Kleidung des 19. Jahrhunderts gekleidet.

Nach ihrer Hochzeit begann Tina Blau als Lehrerin in der Malschule des Künstlerinnenvereins in München zu unterrichten, der 1882 gegründet worden war, um kunsthandwerklich tätigen Frauen die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig in ihrer Arbeit anzuregen und zu unterstützen. In späteren Jahren unterrichtete sie dort Landschafts- und Stilllebenmalerei.

In den 1880ern und 1890ern wurden ihre Werke auf Weltausstellungen - wie der Weltausstellung in Paris 1889 und der in Chicago 1892 - und in vielen anderen Galerien und Ausstellungen gezeigt. Sie erntete Erfolg und Anerkennung. Der Münchner Kunstverein organisierte 1890 ihre erste Einzelausstellung mit mehr als 60 Werken.

Gemälde einer engen, kopfsteingepflasterten Straße in Amsterdam mit hohen, verwitterten Gebäuden.

Als ihr Mann 1891 starb, zog sie nach mehreren Reisen, die sie bis in die Niederlande und nach Italien führten, wieder nach Wien.

Unter der Leitung von Olga Prager und gemeinsam mit Rosa Mayreder gründete sie 1897 die Wiener Frauenakademie, eine künstlerische Bildungseinrichtung in Wien, die es Frauen, die sich für Malerei, Grafik und Bildhauerei interessierten, ermöglichte, eine Ausbildung ohne teuren Privatunterricht zu erhalten. Tina Blau unterrichtete dort von 1898 bis 1915 Landschaftsmalerei- und Stilllebenkurse.

Schwarz-Weiß-Porträtfoto von Tina Blau.

Tina Blau legte die Weichen für Frauen in der Landschaftsmalerei und war eine der bedeutendsten österreichischen Malerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie starb schließlich 1916 in Wien nach längerer Erkrankung an einem Herzstillstand.


Übersetzung: Jessica Kuster