Esperanto ist die weltweit am meisten gesprochene Kunstsprache. Sie wurde im späten 19ten Jahrhundert entwickelt, um als Hilfssprache für internationale Kommunikation zu dienen.
Esperanto wurde 1887 zum ersten Mal vorgeschlagen, in einem Buch das in Warschau, Polen auf Russisch unter dem Titel Международный языкъ: предисловие и полный учебник (Internationale Sprache: Eine Einführung und Vollständiger Anleitung) veröffentlicht wurde. Esperantisten kennen es heute als La Unua Libro (Das Erste Buch).
Das Buch, eigentlich mehr ein Heftchen, beinhaltete eine theoretische Einführung zur Sprache und sechs Beispieltexte, manche davon Übersetzungen, manche Originale. Es enthielt außerdem die 16 grundlegenden Grammatikregeln der Sprache und ein kleines Wörterbuch mit 917 Einträgen.
Der Autor des Buches tritt unter dem Pseudonym D-ro Esperanto auf, was in der internationalen Sprache „Doktor Hoffnungsvoll“ bedeutet.
Es wurde bald weithin bekannt, dass der Autor ein junger Arzt aus Warschau war, ein L. L. Zamenhof, Sohn einer jüdischen Familie, die in einer Region Polens lebte, die damals zum Russischen Kaiserreich gehörte. Das Pseudonyms des Autors wurde später als Name für die Sprache selbst verwendet.
Kurz darauf erschien das Werk auf Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch.
Viele Leser fanden die neue Sprache interessant und fingen an, sie zu lernen. Im Jahr 1888 lernten mehrere hundert Menschen überall in Europa und sogar in den Vereinigten Staaten die Sprache. Im Jahr 1889 wurde ein Verzeichnis mit den Namen und Adressen von über eintausend Esperantisten veröffentlicht.
Bald wurden Esperanto-Klubs und -Vereine gegründet. Im selben Jahr wurde die erste Zeitschrift, La Esperantisto (Der Esperantist) gegründet. Seitdem sind mehr als 14.000 Zeitschriften und Magazine über die Geschichte der Esperantobewegung veröffentlicht, wie 2019 in Bibliografio de periodaĵoj en aŭ pri Esperanto (Eine Bibliografie von Zeitschriften in oder über Esperanto) dokumentiert wurde.
Das Erste Buch beinhaltet die ersten literarischen Unterfangen in der Sprache und andere Autoren folgten bald Zamenhofs Beispiel. Literarische Tätigkeit konzentrierte sich anfangs hauptsächlich auf die Übersetzung klassischer Werke der Weltliteratur ins Esperanto.
Dadurch wurde es der Sprache ermöglicht, zu wachsen und sich in diesem Bereich zu beweisen. Die originale Esperantoliteratur entwickelte sich mit der Zeit weiter und es entstanden verschiedene literarische Schulen.
Das erste internationale Esperanto-Treffen fand 1904 in Calais (Frankreich) statt, als sich mehrere dutzend französische und britische Esperantisten mit dem Ziel trafen, möglicherweise eine formellere Veranstaltung zu organisieren. Der erste internationale Verband, die Tutmonda Esperanto-Ligo (Welt-Esperanto-Liga), wurde im folgenden Jahr, 1905, etabliert und berief den ersten Weltkongress in Boulogne-sur-Mer, Frankreich, ein.
Das Treffen war enorm erfolgreich. Es festigte das Vertrauen der Sprachenthusiasten, dass Esperanto das Potential für eine echte Kommunikationsmethode hatte und nicht nur als eine theoretische. Es regte außerdem dazu an, solche Treffen in den folgenden Jahren zu wiederholen.
Seitdem wurden mehr als 100 Esperanto-Weltkongresse in aufeinanderfolgenen Jahren abgehalten, außer während den Weltkriegen. In den Jahren 2020 und 2021 waren die Kongresse aufgrund der Pandemie virtuell. Es ist eine altehrwürdige Tradition, alle Teilnehmer in einem Gruppenfoto zu verewigen.
Die Esperanto-Gemeinde hatte von Anfang an ihre eigenen Symbole.
Der grüne Stern wurde 1892 durch das Magazin La Esperantisto vorgeschlagen, als Zeichen für gegenseitige Wiedererkennung von Esperanto-Sprechern. Die fünf Zacken des Sterns stehen für die Kontinente (laut dem damaligen geographischen Verständnis gab es davon 5).
Die Flagge für Esperanto war ursprünglich die des Boulogne-sur-Mer Esperanto-Klubs. Während dem dort 1905 abgehaltenen Weltkongress wurde sie als offizielle Flagge der Sprache angenommen. Das grüne Feld steht für Hoffnung und die weiße Gösch mit dem grünen Stern für Frieden.
Die Esperanto-Bewegung hatte auch eine eigene Hymne, La Espero (Hoffnung), mit Text von Zamenhof. Sie wurde schon mit über 20 verschiedenen Melodien gespielt und gesungen, aber die wohl berühmteste Melodie wurde von Félicien de Ménil komponiert.
Esperantisten waren seit jeher sehr daran interessiert, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen und sich mit ihnen in Verbindung zu setzen. In den Anfangsjahren der Sprache entstand ein reger Briefwechsel zwischen Esperanto-Brieffreunden, der heutzutage durch E-Mail und soziale Medien noch intensiver geworden ist.
Die Esperanto-Bewegung wurde sehr früh sehr organisiert. Die Universala Esperanto-Asocio (UEA, Esperanto-Weltbund) wurde 1908 mit dem Ziel etabliert, die Nutzer der Sprache über Landesgrenzen hinweg zu vereinigen und für gegenseitige Hilfe und praktische Nutzung der Sprache zu arbeiten. Der Weltbund wurde von zwei jungen Schweizern gegründet, Hector Hodler und Edmont Privat.
Der Weltbund ist immer noch die Hauptorganisation der Esperanto-Bewegung, obwohl sich ihre Zusammensetzung und Aufgaben seither drastisch verändert haben.
Einige Zeit später, in den 1920er Jahren erkannten Teile der damals florierenden Arbeiterbewegung Esperantos Potential für die Förderung des sogenannten proletarischen Internationalismus und gründeten ihre eigenen Esperanto-Organisationen.
Im Rahmen des 1921 Weltkongresses in Prag gründeten Arbeiter eine neue Organisation, die Esperanto als Mittel für ihren Kampf verwenden wollten. Diese Organisation hieß Sennaciecia Asocio Tutmonda (SAT, Anationaler Weltverbund) und beherbergte (sowohl damals als auch heute) viele verschiedene Ausrichtungen des breiten Spektrums der Arbeiterideologien, unter anderem Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten. Die SAT spielt seit langem eine wichtige Rolle in der Verbreitung Esperantos in den Arbeiterklassen, hat ihren eigenen eigentümlichen Charakter und leistet wertvolle kulturelle Arbeit.
Die moderne Esperanto-Bewegung folgt in den Fußstapfen dieser frühen Pioniere.
Aufgrund von politischer Verfolgung, Globalisierung und der Vorherrschaft der USA nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bewegung durch Krisenzeiten. All dies und das Aufkommen des Englischen als neue Lingua Franca der Menschheit sorgte für einen Verlust von Interesse an Esperanto.
In letzter Zeit gab es aber einen Aufschwung an Interesse an der Sprache, insbesondere in Bezug auf die Kommunikationsmöglichkeiten, die neue Technologien bieten. Die Anzahl internationaler Kontakte und Treffen ist beachtlich gewachsen und die Kooperation zwischen Menschen verschiedener Länder hat Höhen erreicht, die sich die frühen Esperantisten kaum hätten vorstellen können.
Viele Menschen haben außerdem bemerkt, dass die Nutzung einer Landessprache in internationalen Beziehungen Muttersprachlern einen unfairen Vorteil bietet und den entsprechenden Ländern Wirtschafts-, Prestige-, und Macht-Vorzüge verschafft. All diese Einschränkungen einer wahrhaftig demokratischen Kommunikation haben für Esperanto neuen Raum geschaffen - seine herausragendste Eigenschaft ist schließlich seine Neutralität.
Übersetzung: Emilia Sellin, MA in Translation Studies, University College Cork
Überprüfung: Paula Santana Armas, MA in Translation Studies, University College Cork
