Item preview not available, to access the full image and more information about the item go to Europeana 1914-1918

Title

Kriegsschrott, Kleingeld und ein Zuave

memorabilia from the front

Description

    • Mein Großvater Heinrich Müller (29. Januar 1894 - 26. Dezember 1942) war im 1. Weltkrieg Kürassier im Königlich Preußischen Kürassierregiment "v. Seydlitz" (Magdeburgisches) Nr. 7 (s. auch andere Beiträge unter "Kürassier Heinrich Müller": http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2355; http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2417; http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2420; http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2434; http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2467). Das französische Lebel-Bajonett vom ersten Foto hatte es meinem Großvater wohl angetan. Sonst hätte er nicht gleich fünf Stück aus dem Krieg als Souvenir mitgebracht. 1945, bei Kriegsende, waren das im wahrsten Sinne des Wortes "heiße Eisen". Heinrich Müller war 1942 verstorben, sein Sohn Heinrich jun., mein Vater, war bei der Kriegsmarine und meine Großmutter Erna Müller (s. Beitrag: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2417) hatte zu tun die Waffen erst vor den Amerikanern und dann vor den Russen zu verstecken. Zwei Bajonette wurden zu DDR-Zeiten beschlagnahmt und ein drittes lag mit nachgeschliffener Spitze in einer Jauchengrube. Das Foto zeigt das vierte, das fast 50 Jahre unter Schutt hinter einer Scheune lag und so stark verrostet ist, dass es bei der Bergung durchbrach, sowie das fünfte, gut erhaltene Nadelbajonett. Dieses letzte hatte ein schonendes Versteck auf dem Dachboden. Die vierseitig ausgefräste Klinge, die eine kreuzförmige Stichwunde hinterließ, hatte einen schlechten Ruf als heimtückische Waffe. Das galt aber angeblich ebenso für deutsche Seitengewehre mit Sägerückenklinge. Ebenfalls vierseitig ausgefräst ist das hintere Ende der Waffe auf dem nächsten Foto. Das kleine Objekt ist auf den ersten Blick gar nicht als Waffe zu erkennen. Es ist ein Fliegerpfeil, wahrscheinlich aus französischer Produktion. Diese Pfeile wurden in großen Mengen aus Flugzeugen oder Luftschiffen über den gegnerischen Truppen abgeworfen und sollen eine enorme Durchschlagskraft besessen haben. Mit dem Fortschreiten der technischen Entwicklung unterlagen diese sonderbaren Wurfgeschosse aber bald den "effektiveren" Bordwaffen und Bomben. Die Helmkalotte auf dem nächsten Bild gehört zu einem französischen Adrian-Helm, der Anfang des Krieges eingeführt wurde. Die Kokarde und der aufgesetzte Kamm sind im Laufe der Jahre verloren gegangen. Lediglich der linke Sturmriemen ist noch vorhanden. Passend zum voran gezeigten "Kriegsschrott" folgt nun die Fotografie eines abgeschossenen englischen Tanks. Ob Mannschaften des Regiments meines Großvaters dabei sind kann ich nicht sagen, denn typische Uniformmerkmale wie Kürassierstiefel oder Waffenröcke gab es zu der Zeit, als sich die Seydlitzkürassiere am Ende des Krieges englischen Tanks gegenüber sahen, nicht mehr. Sie trugen nach der Umbenennung zum Kavallerie-Schützen-Regiment feldgraue Uniformen wie die Infanterie. Soweit der "Kriegsschrott". Auch die nun folgenden Münzen dürften in ihrem Wert nicht weit über dem von Altmetall liegen. Heinrich Müller hat von jeder Front an der sein Regiment eingesetzt war, Münzen als Souvenir mitgebracht. Das war klug gehandelt, denn in der Zeit der Inflation konnte er als Landwirt seinen Tierarzt, der Numismatiker war, mit Münzen aus seiner Souvenirkiste bezahlen (Quelle: Mein Vater Heinrich Müller, jun.). Übrig geblieben ist noch genug um die Einsatzländer des Kürassierregiments zu identifizieren. So werden die Münzen aus Luxemburg und den Niederlanden zusammen mit dem belgischen und französischen Geld in die Taschen meines Großvaters gelangt sein. Ein buntes Sammelsurium bot das Einsatzgebiet in Rumänien. Von dort stammt die Landeswährung, sowie russische, bulgarische, ungarische, österreichische und sogar eine serbische Münze. Von der Ostfront in Russisch-Polen hat mein Großvater ebenfalls ein sehr interessantes Geldstück mitgebracht. Es ist die 10 Fenigów-Münze des "Regentschaftskönigreiches Polen". Nun folgen neun deutsche Not- bzw. Kriegsgeldmünzen. Vor seiner Demobilisierung im Dezember 1918 lag das 7. Kürassierregiment längere Zeit in der Nähe von Iserlohn, während andere Einheiten längst zu Hause waren. Wahrscheinlich galten die Kürassiere der Regierung, oder anderen politischen Interessengruppen als zuverlässige Einheit im Falle von Unruhen. Daher stammen die Kriegsgeldstücke aus Hagen und der weiteren Umgebung, denn Heinrich Müller war als Stabssoldat oft dienstlich unterwegs. Ob er dabei auch bis Eisleben und Schmölln (jeweils eine Münze) gekommen ist, weiß ich allerdings nicht. Die beiden braunschweigischen Münzen werden in unserer Gegend ein übliches Zahlungsmittel gewesen sein. Erstaunlich ist, dass das 10-Pfenniggeldstück noch 1920 als "Kriegsnotgeld" geprägt wurde. Zum Schluss die Fotografie eines Zuavenoffiziers; so jedenfalls lautet die Erklärung meines Großvaters auf der Rückseite der Karte. Der Begriff Zuave wurde allgemein für in Nordafrika rekrutierte Söldner gebraucht. Die Zuaven trugen auffällige, an türkisch-orientalische Trachten angelehnte Uniformen. Interessant ist, dass das Foto aus dem Fotostudio Semoff in Roubaix stammt, in dem sich Heinrich Müller im November 1914 zusammen mit einem unbekannten Kameraden hat ablichten lassen (s. Beitrag: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2467).

People

Classifications

Properties

Time

  • Temporal:

    • 2012-02-09 18:40:51 UTC
    • November 1914
  • Place/Time:

    • Western Front

Provenance

References and relations

Location

Longitude: "3.66667, 2.0, 3.08333, 3.1814, 2.65594, and 3.17456"
Latitude: "50.33333, 46.0, 50.58333, 50.6889, 49.61232, and 50.69421"
Entities
  • Subjects, resource types, genres and forms (Concepts)

  • Place names (Places)